KW 8: Video-Boom, AI-Bot-Scraping, KI im Marketing und Social Media als LLM-Quelle
In der vergangenen Woche: UK-Publisher setzen auf Video und Subscriptions gegen KI-bedingte Traffic-Verluste, AI-Bots ignorieren robots.txt-Regeln bei 30 Prozent aller Scrapes. Social-Media-Plattformen wie Reddit und YouTube werden zur wichtigsten Quelle für LLM-Zitate, während Click-Through-Rates von AI-Tools auf 0,27 Prozent sinken. Europäische Verlage reichen Beschwerde gegen Google AI Overviews ein – und deutsche Marketingabteilungen sehen KI als dominierenden Trend bis 2027.
Publisher diversifizieren Erlösquellen mit Video und Subscriptions
Die britische Verlagslandschaft reagiert auf Traffic-Verluste durch KI-Zusammenfassungen mit einer klaren Strategie: Video Content und Abo-Modelle rücken in den Fokus. Laut der aktuellen Studie der Association of Online Publishers (AOP) sehen 45 Prozent der befragten UK-Publisher sowohl in Subscriptions als auch in Video die größten Wachstumschancen für 2026 – bei Video bedeutet das einen Anstieg von 36 Prozent im Vorjahr. Parallel dazu sinkt die Euphorie rund um KI: Publisher bewerten den Einfluss von KI auf ihre Geschäftsmodelle mittlerweile nur noch mit 4,7 von 10 Punkten, verglichen mit 6,0 im Jahr 2025. Diese ernüchternde Einschätzung spiegelt die praktischen Erfahrungen wider, die Publisher nach zwölf Monaten intensiver KI-Experimente gesammelt haben. Im Werbegeschäft verschiebt sich der Fokus: Während direkte Deals dominant bleiben, sehen 28 Prozent Private Marketplaces als wichtigsten Wachstumstreiber der nächsten drei Jahre – aktuell machen PMPs erst sechs Prozent der Ad-Revenues aus.
Quelle: VideoWeek
AI-Bots umgehen Schutzmaßnahmen und senken Referral-Traffic
Die Realität des AI-Scrapings zeigt ein besorgniserregendes Bild: Trotz Lizenzdeals und Bot-Blocking-Maßnahmen steigt der AI-Bot-Traffic ungebremst. TollBits „State of the Bots“-Report dokumentiert zwischen Q2 und Q4 2025 einen Anstieg von 29 Prozent bei AI-Bot-Scrapes im zweiten Halbjahr, während menschlicher Traffic um fünf Prozent sank. Besonders problematisch: 30 Prozent aller AI-Bot-Scrapes im Q4 2025 ignorierten explizite robots.txt-Anweisungen, wobei ChatGPT mit 42 Prozent Missachtungsrate der schlimmste Regelbrecher war.
Die Click-Through-Rate aus AI-Tools fiel von 0,8 Prozent in Q2 auf nur noch 0,27 Prozent in Q4 2025 – ein Rückgang um fast das Dreifache. Selbst Publisher mit AI-Lizenzdeals verzeichneten einen CTR-Einbruch von 8,8 Prozent in Q1 auf 1,33 Prozent in Q4, also um das 6,5-fache. Das Verhältnis verschiebt sich dramatisch: Während Google durchschnittlich 678 menschliche Besucher pro AI-Referral liefert, machen AI-Tools nur 0,12 Prozent eures gesamten Referral-Traffics aus. Parallel dazu steigt die Werbedichte in AI-Oberflächen: Laut Semrush erschienen im Oktober 2025 auf 25,56 Prozent der Google-Suchergebnisse mit AI Overviews auch Anzeigen – ein Anstieg um 394 Prozent seit März.
Quelle: Digiday
Social-Media-Plattformen dominieren als Quellen für LLM-Antworten
Eine Analyse von 70.000 LLM-Antworten durch das Kommunikations-Software-Unternehmen Blinq offenbart eine überraschende Verschiebung: Social Media wird zur zentralen Informationsquelle für KI-Systeme. Während 51,5 Prozent der Referenzen von Corporate Websites stammen, entfallen über 35 Prozent der Top-URL-Quellen auf Social-Media-Inhalte. Reddit führt mit 15,3 Prozent, gefolgt von Youtube mit 14,3 Prozent und LinkedIn mit 6,1 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, dass LLMs gezielt auf authentische Nutzererfahrungen und Dialoge zurückgreifen.
Bei den News-Publishern werden neben renommierten Nachrichtenportalen besonders Wirtschafts- und Tech-Publisher von den LLMs zitiert, wobei News insgesamt nur 8,9 Prozent der Antworten ausmachen. Review-Medien wie Kununu, Öko-Test und Idealo spielen mit 13,3 Prozent eine wichtige Rolle. Julian Gottke, Gründer von Blinq, erklärt: „Wer relevant bleiben will, muss dort stattfinden, wo KI ihre Informationen bezieht. Entscheidend sind eine saubere technische Basis und der Aufbau von Autorität durch konsistente, zielgerichtete Kommunikationsarbeit.“
Quelle: t3n
Europäische Verlage reichen formelle Beschwerde gegen Google ein
Das European Publisher Council hat bei der Europäischen Kommission eine formelle Beschwerde gegen Googles AI Overviews und AI Mode eingereicht. Der Vorwurf: Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung und verstoße gegen europäisches Wettbewerbsrecht sowie Urheberrecht. Die Verlage kritisieren, dass Google seine Suche von einem Weiterleitungs-Service zu einer Antwortmaschine umgebaut habe, „die den ursprünglichen Inhalt des Herausgebers ersetzt und die Nutzer innerhalb des eigenen Ökosystems von Google hält.“
Anders als OpenAI und Perplexity hat Google bisher keine Lizenzverträge mit Verlagen abgeschlossen oder Partnerschaften eingegangen. Die Beschwerde schließt sich an eine bereits laufende Untersuchung der EU-Kommission an und fordert ein neues Vergütungssystem. Der Verband warnt, dass versiegende Informationsquellen langfristig auch KI-Dienste treffen würden, die auf qualitativ hochwertige Inhalte angewiesen sind.
Quelle: Heise
KI dominiert Marketing-Trends trotz stabiler Budgets
Die Bitkom-Studie „Marketing im digitalen Wandel 2026“ zeigt: Künstliche Intelligenz führt das Trend-Ranking für digitales Marketing bis 2027 mit deutlichem Abstand an. 84 Prozent der 180 befragten Unternehmen sehen KI als einflussreichsten Trend. Datengetriebenes Marketing folgt mit 62 Prozent auf Rang zwei, Personalisierung mit 39 Prozent auf Platz drei. Diese Top-Trends bedingen sich gegenseitig, wie Bitkom-Experte Florian Bayer erklärt: „Daten machen Marketing messbar, ermöglichen Personalisierung und bilden die Grundlage für den wirksamen Einsatz von Künstlicher Intelligenz.“
67 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Marketing ohne KI künftig nicht mehr erfolgreich sein wird, doch 52 Prozent beklagen fehlende Kompetenzen für den sinnvollen KI-Einsatz. Die Marketingbudgets bleiben mit durchschnittlich 4,1 Prozent des Umsatzes stabil, der Wandel vollzieht sich über Effizienzgewinne und Automatisierung. Die am häufigsten eingesetzten Instrumente sind CRM-Marketing mit 72 Prozent, Social-Media-Marketing mit 62 Prozent und Event-Marketing mit 60 Prozent. Als größte Herausforderungen nennen je 54 Prozent Kostendruck und die Automatisierung von Marketingprozessen, während 43 Prozent steigenden Ressourcenbedarf für Content-Erstellung sehen.
Quelle: Absatzwirtschaft



