KW 9: LEAP Forecasting API, News-Abos wachsen, Google-FT-Deal und WebMCP
In der vergangenen Woche: IAB Tech Lab öffnet die LEAP Forecasting API zur Kommentierung, große Publisher steigern Abos trotz Traffic-Rückgang und Google verspricht fokussierte AI-Deals mit der Financial Times. Parallel entwickeln Google und Microsoft mit WebMCP Standards für KI-Agents. Außerdem: Ab August greift die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Werbung und Axel Springer belegt: News-Umfelder sind keine Brand-Safety-Risiken.
IAB Tech Lab: LEAP Forecasting API für bessere Live-Event-Planung
Das IAB Tech Lab hat die LEAP Forecasting API zur öffentlichen Kommentierung freigegeben – ein Standard, der helfen soll, künftige Live-Inhalte besser zu vermarkten. Die API ermöglicht es, strukturierte Metadaten zu kommenden Events an Exchanges und DSPs zu übermitteln: Sendepläne, erwartete Werbeunterbrechungen und prognostizierte Zuschauerzahlen. Damit können Werbetreibende frühzeitig Inventar planen und reservieren, statt wie bisher erst im Bidstream zu reagieren. Die Forecasting API baut auf der Concurrent Streams API auf, die Echtzeit-Skalierung misst, und verschiebt den Prozess weiter nach vorne in den Planungszyklus. Die Kommentierungsphase läuft bis 20. März 2026.
Quelle: IAB Tech Lab
Abo-Wachstum bei großen News-Publishern beschleunigt sich
Große News-Publisher wie The New York Times, The Wall Street Journal und The Guardian verzeichnen nicht nur weiterhin Abo-Wachstum, sondern eine Beschleunigung der Wachstumsraten seit 2023 – und das trotz rückläufigem Traffic. Die New York Times steigerte ihre Wachstumsrate um 6,5 Prozentpunkte, The Wall Street Journal um 6,7 Prozentpunkte, The Guardian um 8,2 Prozentpunkte. Bloomberg stabilisierte sich bei rund 13 Prozent jährlichem Wachstum.
Der Schlüssel liegt in Bundling-Strategien, höheren Preisstufen und Produkterweiterungen: The Times bietet Games und Cooking im Bundle an, mindestens 50 Prozent der Abonnenten zahlen für gebündelte oder mehrere Produkte. Bloomberg erhöhte den Jahrespreis von 299 auf 399 Dollar. Gleichzeitig stiegen die Preise laut Digidays Subscription Index 2025 im Durchschnitt um 5 Prozent. Damit zeigt es sich deutlich: Retention und ARPU-Steigerung durch Premium-Angebote und Bundles funktionieren besser als reine Volumen-Strategien. Allerdings profitieren vor allem große Publisher mit diversifizierten Produkten – die Top 10 Prozent steigerten Abo-Revenue um 120 Prozent, während der Median nur 35 Prozent schaffte. Traffic von Google Discover konvertiert zudem dreimal schlechter zu Abos als klassischer Search-Traffic.
Quelle: Digiday
Financial Times schließt KI-Lizenzvertrag mit Google ab
Die Financial Times hat einen Lizenzvertrag mit Google für KI-Pilotprojekte unterzeichnet, wie CEO Jon Slade auf der FT Strategies-Konferenz bekannt gab. Der Deal umfasst erweiterte Anzeigerechte und Content-Delivery-Methoden wie APIs, ähnlich den im Dezember angekündigten Google-Vereinbarungen mit Guardian und Washington Post. Slade betont, dass Google nicht nur die Bedeutung hochwertiger Journalismus für Produktgenauigkeit anerkennt, sondern auch die Bedingungen respektiert, die der FT wichtig sind.
Parallel kündigte Google-Managerin Sulina Connal an, dass die Entwicklung granularer Opt-out-Kontrollen für AI Overviews ohne Search-Impact ein „riesiges Engineering-Projekt“ sei, aber aktiv vorangetrieben werde. Google testet bereits „Preferred Sources“ in Top Stories und priorisiert in Gemini Links zu Publishern, bei denen Nutzer Abos haben. Connal verspricht „mehr fokussierte Deals“ nach den ersten KI-Zahlungen und betont den Wunsch nach Zusammenarbeit mit Publishern zur Definition von „Signature Journalism“ im KI-Zeitalter. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass Lizenzdeals mit KI-Plattformen zunehmend zur Realität werden und Google Bereitschaft zu faireren Konditionen und mehr Publisher-Kontrolle signalisiert.
Quelle: Press Gazette
WebMCP: Websites als Schnittstellen für KI-Agents
Google und Microsoft arbeiten mit WebMCP an einem Standard, der Websites zu direkten Schnittstellen für KI-Agents machen könnte. Statt Inhalte visuell zu interpretieren oder durch Menüs zu navigieren, würden KI-Systeme künftig direkt auf Website-Funktionen zugreifen. WebMCP baut auf dem Universal Commerce Protocol auf, das Google im Januar für Shopping-Transaktionen im KI-Kontext vorstellte, geht aber weiter: Es standardisiert, wie Websites generell mit KI-Agents kommunizieren.
SEO-Researcher Dan Petrovic bezeichnet dies als größte Veränderung im technischen SEO seit strukturierten Daten. Die Konsequenz: Weniger direkte Website-Besuche, weniger Kontrolle über die User Journey, mehr Abhängigkeit von Browser-Standards. Das könnte bedeuten, dass User Publisher-Inhalte künftig primär über Agent-Schnittstellen konsumieren, statt ihreWebsite direkt aufzurufen. Das hätte direkte Folgen für Branding, Werbeeinblendungen und eigene Datenpunkte. Glenn Gabe warnt vor wachsender Abhängigkeit von strukturierten Schnittstellen und sinkender Sichtbarkeit klassischer Benutzeroberflächen.
WebMCP befindet sich noch in früher Testphase, zeigt aber die Richtung des „agentischen Webs“.
Quelle: OnlineMarketing.de
EU-KI-Kennzeichnungspflicht ab August: Was sich für Werbung ändert
Ab August 2025 greift die vollständige Anwendung des EU AI Acts mit Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Werbeinhalte. Texte müssen nur gekennzeichnet werden, wenn sie öffentliches Interesse betreffen und keine redaktionelle Kontrolle durch Menschen erfolgte – für typische Produktwerbung gilt dies meist nicht. Anders bei Bildern und Videos: Deepfakes müssen immer als KI-generiert gekennzeichnet werden, ebenso fotorealistische KI-Inhalte. Die Kennzeichnung erfolgt maschinenlesbar in Metadaten durch die KI-Anbieter wie Midjourney, muss aber zusätzlich sichtbar im Content erscheinen, etwa durch ein „AI“ oder „KI“-Symbol.
Rechtsanwalt Joerg Heidrich betont, dass Marken als Betreiber der KI haften und vertraglich mit Agenturen klären sollten, wer für korrekte Kennzeichnung verantwortlich ist. Lev Lexow rät zu internen Leitlinien für den KI-Einsatz in der Content-Produktion. KI-Experte André Schier sieht die Kennzeichnungspflicht nicht als kreatives Hindernis, sondern als Ordnungsrahmen – KI bleibe auch bei fotorealistischen Inhalten wirtschaftlich sinnvoll, besonders bei begrenzten Budgets.
Quelle: Absatzwirtschaft
Brand Safety: News-Umfelder bergen kein Werberisiko
Eine Großstudie von Axel Springer belegt, dass Nachrichteninhalte für Werbung kein Risikoumfeld darstellen – entgegen der verbreiteten Annahme vieler Advertiser. Gerade in Zeiten von Kriegen und Krisen meiden viele Werbetreibende News-Umfelder aus Angst vor negativen Abstrahleffekten auf ihre Marken. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Befürchtung unbegründet ist.
Christoph Eck-Schmidt, Chief Marketing Officer und Chief Commercial Officer bei Axel Springer, präsentierte die Ergebnisse, die belegen, dass das tatsächliche Risiko woanders liegt. Für Publisher kann das eine wichtige Argumentationsgrundlage gegenüber Advertisern sein, die News-Inventory aufgrund von Brand-Safety-Bedenken ausschließen. Die Erkenntnisse können helfen, Werbebudgets zurück in qualitativ hochwertige Nachrichtenumfelder zu lenken und die oft pauschale Blockierung von News-Content durch Keyword-Listen zu hinterfragen. In Zeiten, in denen Premium-News-Inhalte ohnehin unter Druck stehen, liefert die Studie empirische Evidenz für die Werbesicherheit journalistischer Umfelder.
Quelle: Horizont




