KW 6: Flexible Ad-Budgets, KI-Werbemittel, ChatGPT-Werbung ohne Publisher-Beteiligung und DMA-Spezifizierungsverfahren
In der vergangenen Woche: Werbetreibende setzen verstärkt auf flexible Budgetplanung statt fester Commitments. Eine Studie belegt die Wirksamkeit KI-generierter Werbemittel belegt. Parallel integrieren Publisher KI zunehmend in Workflows, wobei der Fokus auf internen Anwendungen liegt und OpenAI plant ChatGPT-Werbung ohne Publisher-Beteiligung. Microsoft beendet kostenloses Prebid-Video-Caching, während die EU-Kommission ein DMA-Spezifizierungsverfahren für Google einleitet.
Werbetreibende setzen auf flexible Budgetstrukturen
Die Unsicherheit in der Werbewirtschaft prägt auch 2026 die Strategien der Marketer. Statt fester Jahresbudgets dominieren flexible Ausgabenmodelle, die schnelle Anpassungen ermöglichen. Besonders im Connected TV-Bereich verschieben sich Werbegeldströme von Programmatic Guaranteed zu Private Marketplaces, um mehr Optimierungsspielraum zu erhalten. Yahoo DSP beobachtet diese Entwicklung als Indikator für das Gesamtjahr. Die US-Werbeausgaben sollen 2026 um 9,5 Prozent wachsen, mit besonders starken Zuwächsen in Social Media (14,6 Prozent), CTV (13,8 Prozent) und Commerce Media (12,1 Prozent). CFOs übernehmen zunehmend die Kontrolle über Marketingbudgets und fordern klare ROI-Nachweise. Für Monetarisierungsstrategien könnte es bedeuten, dass Werbetreibende kürzere Planungszyklen fahren und schneller auf Performance-Signale reagieren.
Quelle: Digiday
KI-generierte Werbemittel erzielen vergleichbare Performance
Eine wissenschaftliche Studie (auf Taboola-Daten basierend) der TU München, Columbia University, Harvard und Carnegie Mellon belegt erstmals mit realen Daten die Wirksamkeit KI-generierter Werbeanzeigen. Die Untersuchung analysierte 300.000 Werbemittel mit über 500 Millionen Impressions auf der Taboola-Plattform. KI-Anzeigen erreichten eine Click-Through-Rate von 0,76 Prozent gegenüber 0,65 Prozent bei menschlich erstellten Ads. Nach statistischer Kontrolle zeigt sich eine gleichwertige Performance. Entscheidend für den Erfolg: KI-Anzeigen dürfen nicht als maschinell generiert erkennbar sein. Besonders wirksam sind große, klar erkennbare menschliche Gesichter. Branchen wie Food & Beverage sowie Personal Finance nutzen KI-generierte Ads bereits verstärkt. Die Studie verwendete einen Sibling-Ads-Ansatz, bei dem KI- und Human-Ads vom selben Advertiser für dieselbe Kampagne verglichen wurden.
Quelle: Meedia
EU-Kommission startet DMA-Spezifizierungsverfahren für Google
Die Europäische Kommission hat zwei Spezifizierungsverfahren gestartet, um Google bei der Einhaltung seiner Verpflichtungen aus dem Digital Markets Act (insbesondere zur Interoperabilität und zum Datenaustausch von Suchdaten) zu unterstützen. Ziel ist es, technische und verfahrensbezogene Unklarheiten zu klären und sicherzustellen, dass Google die gesetzlichen Vorgaben des DMA erfüllt, um fairen Wettbewerb im digitalen Binnenmarkt zu fördern. Die Verfahren sollen helfen, Konflikte zwischen den komplexen regulatorischen Anforderungen und der praktischen Umsetzung durch Google zu vermeiden und die effektive Durchsetzung der DMA-Regeln zu verbessern. Die Kommission betont dabei den Stellenwert klarer Vorgaben für Gatekeeper-Plattformen und setzt auf enge Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, um rasche und rechtskonforme Lösungen zu erreichen.
Quelle: Europäische Komission
ChatGPT-Werbung ohne Publisher-Beteiligung geplant
OpenAI plant die Einführung von Werbung in ChatGPT mit 800 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern. Publisher befürchten zusätzliche Konkurrenz um Werbebudgets, während OpenAI mit ihren Inhalten Geld verdient, ohne sie dafür zu beteiligen. „Sie nutzen unsere IP, um Antworten zu generieren, für die dann Advertiser zahlen. Das ist eine bittere Pille“, so ein anonymer Publishing-Exec. Die Plattform setzt auf CPM-Preismodelle statt CPC, um Vergleiche mit Googles transparenten Search Ads zu vermeiden. Publisher mit OpenAI-Lizenzdeals könnten bei Vertragsverlängerungen Beteiligungen an Werbeerlösen fordern. Marcel Semmler von Bauer Media warnt: „Sobald Monetarisierung ins Spiel kommt, verschiebt sich die Frage von ‚Wie funktionieren Antworten?‘ zu ‚Wer wird repräsentiert, angezeigt und bezahlt?'“ Publisher benötigen klare Regeln für die Nutzung ihrer Inhalte in werbefinanzierten KI-Systemen.
Quelle: Digiday
Microsoft beendet kostenloses Prebid-Video-Caching
Microsoft Advertising stellt zum 30. April das kostenlose Caching von Prebid-Video-Dateien ein, was massive Auswirkungen auf die programmatische Videowerbung hat. Bisher speicherte Microsoft die Video-Creatives zwischen, die bei Prebid-Auktionen gewonnen und über Google Ad Manager ausgeliefert wurden. Diese Zwischenspeicherung kostet monatlich zwischen 50.000 und 250.000 US-Dollar und könnte künftig siebenstellige Beträge erreichen. Ohne funktionierendes Caching entstehen VAST-Errors, bei denen zwar Auktionen stattfinden, aber keine Videos abgespielt werden. Microsoft Advertising deckt über 60 Prozent aller Prebid-zu-GAM-Video-Impressions ab.
Quelle: AdExchanger
Publisher integrieren KI verstärkt in Workflows
Eine neue Digiday+ Research-Analyse zeigt, dass KI 2026 für Verlage nicht mehr experimentell, sondern fest im Alltag verankert ist. Laut der Befragung nutzen 93 Prozent der Publisher KI-Tools, oft für interne Aufgaben wie automatisierte Transkription, Metadaten-Tagging, Datenanalyse und Effizienzsteigerung – teilweise aber auch für Content-Empfehlungen oder erweiterte Suche. Viele setzen auf generative KI, integrieren sie in Redaktions-, Produkt- oder Engineering-Workflows und schaffen dafür neue Rollen und Teams. Beispiele: Dow Jones nutzt KI zur automatischen Übersetzung, Business Insider entwickelt eigene Empfehlungs- und Audio-Funktionen, während andere KI für Routineprozesse einsetzen, um Humanressourcen für kreative Aufgaben freizusetzen. Dennoch bleiben menschliche Prüfungen zentral und die Nutzung von KI zur vollständigen Erstellung von Nachrichteninhalten wird von vielen abgelehnt. Insgesamt dominiert die Strategie, KI zur Effizienz- und Erlebnissteigerung einzusetzen, ohne journalistische Standards zu gefährden.
Quelle: Digiday





