KW 44: Privacy Sandbox endet, Google Ads mit Text-Kontrolle, KI in Zeitungen
In der vergangenen Woche: Google beendet die Privacy Sandbox nach Jahren der Entwicklung, während neue Text-Guidelines mehr Kontrolle über KI-generierte Anzeigen bieten. Prebid.org klärt Missverständnisse zu Transaction IDs und AI-Suchplattformen verändern Publisher-Traffic massiv. Parallel zeigen britische Publisher Erfolge durch Revenue-Diversifikation, während eine US-Studie offenlegt: Jeder elfte Zeitungsartikel stammt von KI – meist ohne Kennzeichnung.
Google beendet Privacy Sandbox nach Cookie-Kehrtwende
Nach Jahren intensiver Entwicklung zieht Google einen Schlussstrich unter die Privacy Sandbox. Die Entscheidung folgt direkt auf die Ankündigung, Third Party Cookies in Chrome doch nicht abzuschaffen – ursprünglich für 2022 geplant, dann mehrfach verschoben und schließlich im Sommer 2024 komplett verworfen. Für euch als Publisher bedeutet das: Technologien wie Topics API, Attribution Reporting und Protected Audience, auf die viele von euch eure Zukunftsstrategie ausgerichtet hatten, verlieren ihre Relevanz. Google stellt die meisten dieser APIs komplett ein und führt nur wenige Komponenten weiter.
In einem Update-Beitrag räumt Anthony Chavez, VP für die Privacy Sandbox, ein, dass die Technologien nach der Cookie-Entscheidung eine andere Rolle spielen werden – faktisch bedeutet das ihr Ende. Die jahrelangen Investitionen in Privacy-Sandbox-Integration erweisen sich damit als Sackgasse. Eure Monetarisierungsstrategien können sich wieder auf etablierte Cookie-basierte Mechanismen konzentrieren, allerdings bleibt die langfristige Unsicherheit bestehen.
Quelle: OnlineMarketing.de
Neue Text-Guidelines von Google Ads geben mehr Kontrolle über KI-Texte
Google rollt ein neues Feature aus, das Advertisern mehr Einfluss auf KI-generierte Werbetexte verschafft: Text-Guidelines in Google Ads. Das Tool ermöglicht es, auf Campaign-Level Parameter zu definieren. Damit können Markenton, Sprachpräferenzen und Compliance-Anforderungen festgelegt werden – die KI hält sich dann an diese Vorgaben.
Das Feature funktioniert nur bei aktivierter Text-Anpassung und zielt darauf ab, Brand Safety zu verbessern, ohne die Automatisierung zu bremsen. Für eure Werbekunden bedeutet das mehr Kontrolle über automatisiert erstellte Anzeigentexte, was gerade bei sensiblen Marken oder regulierten Branchen relevant ist. Die Funktion taucht bereits in ersten Accounts auf, nachdem sie vor fünf Wochen auf dem Think Retail Event angekündigt wurde. Eure Advertiser können damit die Balance zwischen KI-Effizienz und Markenkonsistenz besser steuern.
Quelle: Search Engine Land
Prebid.org stellt Transaction-ID-Handhabung klar
Prebid.org reagiert auf Verwirrung rund um Transaction IDs mit einer offiziellen Klarstellung. Die Diskussion entstand, nachdem einige DSPs TIDs zur Ausgabe-Bedingung machten. Kernpunkt: TIDs sind seit Prebid.js Version 8 im Juni 2023 verfügbar, waren aber immer Opt-in – ihr müsst sie extra aktivieren. Im August 2025 beschloss das Prebid Publisher Committee, TIDs SSP-spezifisch statt global zu handhaben, implementiert in Version 10.9.
Prebid.org wird diese Woche ein Update veröffentlichen, das euch bei aktivierten TIDs die Wahl zwischen globalem und SSP-spezifischem Format ermöglicht. Ältere Prebid.js-Versionen bleiben unverändert. Für eure Monetarisierung heißt das: Ihr behaltet die Kontrolle über TID-Sharing und könnt flexibel auf DSP-Anforderungen reagieren, ohne eure Datenschutz-Strategie zu gefährden.
Quelle: Prebid.org
KI-Suche verändert Traffic-Ströme massiv – mit begrenztem Nutzen
Generative AI-Plattformen wachsen explosiv, doch die Referral-Traffic-Zahlen für Publisher bleiben ernüchternd. ChatGPT verzeichnete von September 2024 bis September 2025 ein Wachstum von 90,3 Prozent auf 5,9 Milliarden Visits, Perplexity legte um 134,5 Prozent zu. AI-Referrals zu Publisher-Seiten steigen zwar auch – bei der New York Times um 99,4 Prozent, bei CNN um 173 Prozent –, machen aber weiterhin weniger als ein Prozent des Gesamttraffics aus. Das Problem: KI-Suche dient primär als Research-Channel mit nahezu null direkten Conversions. SEOClarity trackte 16,5 Millionen Visits von den Top-4-AI-Suchmaschinen in neun Monaten, wobei etwa 28 Prozent der ChatGPT-Antworten mindestens eine Quelle zitieren.
Für eure Sichtbarkeit relevant: Publisher erscheinen häufig in ChatGPT und Google AI Mode, besonders in Business, Tech und Finance. Allerdings bevorzugen AI-Plattformen zunehmend User-Generated-Content von Reddit und YouTube. Reddit gewann mehr Traffic als alle untersuchten Medienunternehmen zusammen verloren haben. Eure SEO-Strategie muss sich anpassen: Traditionelle Suchindex-Optimierung hilft auch bei AI-Visibility, doch Licensing-Deals mit AI-Plattformen werden zum entscheidenden Faktor für nennenswerte Referrals.
Quelle: Digiday
Britische Publisher profitieren von Revenue-Diversifikation
Der Digital Publishers Revenue Index für Q2 2025 zeigt: Revenue-Diversifikation zahlt sich aus. Die 13 untersuchten britischen Publisher verzeichneten durchschnittlich 3,4 Prozent Umsatzwachstum im Jahresvergleich, wobei sieben von ihnen Wachstum meldeten. Display-Werbung kämpft weiter – minus 7,4 Prozent –, doch andere Erlösquellen kompensieren das. Digital Audio explodierte mit 72,9 Prozent Wachstum, bleibt aber mit 4,5 Prozent Anteil noch klein. Video-Revenue legte um 11,6 Prozent zu, Subscriptions um 11,3 Prozent, Sponsoring um 15,1 Prozent.
Für eure Strategie bedeutet das: Ein Portfolio-Ansatz bei Revenue-Streams schützt euch vor Display-Ad-Schwankungen. Alle befragten Publisher nennen neue Produkte und Kostensenkung als Top-Prioritäten für die nächsten zwölf Monate. Bemerkenswert: Expansion durch Akquisition ist plötzlich für alle relevant – ein massiver Anstieg gegenüber 25 Prozent in Q1. Eure Monetarisierung sollte sich auf mehrere Säulen stützen, wobei Audio- und Video-Content zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Quelle: VideoWeek
Jeder elfte US-Zeitungsartikel stammt von KI – meist ohne Kennzeichnung
Eine University-of-Maryland-Studie deckt das Ausmaß KI-generierter Inhalte im US-Journalismus auf: Neun Prozent aller neu publizierten Zeitungsartikel zwischen Juni und September 2025 sind teilweise oder vollständig KI-generiert.
Die Forscher analysierten über 186.000 Artikel aus 1.528 Zeitungen mit dem hochpräzisen KI-Detektor Pangram. Das Ergebnis: 90,9 Prozent sind rein menschlich geschrieben, 3,9 Prozent gemischt, 5,2 Prozent komplett KI-generiert. Kleine Lokalzeitungen setzen mit 9,3 Prozent deutlich stärker auf KI als große Blätter mit 1,7 Prozent. Besonders alarmierend: Meinungsartikel renommierter Zeitungen wie NYT, Washington Post und Wall Street Journal enthielten zu 4,56 Prozent KI-Inhalte: 6,4-mal mehr als deren Nachrichtenartikel. Zehn Langzeit-Journalisten publizierten 2025 zu 40 Prozent mit KI-Beteiligung, einer sogar zu 90,1 Prozent.
Das größte Problem für eure Content-Glaubwürdigkeit: Von 100 geprüften KI-Artikeln offenbarten nur fünf die KI-Nutzung. 91 Prozent der Publikationen haben keine öffentlichen KI-Richtlinien. Laut Pew-Research-Center-Umfragen hätten 56 Prozent der Amerikaner weniger Vertrauen in KI-geschriebene Artikel, 76 Prozent halten Transparenz für extrem wichtig. Für euch heißt das: Klare Offenlegungsstandards werden zur Vertrauensfrage.
Quelle: Telepolis





