Jüngstes Urteil zu IAB Europe und TCF sorgt für mehr Klarheit für Publisher und Werbebranche
Der 14. Mai 2025 markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte der digitalen Werbebranche: Das Urteil des belgischen Marktgerichts zum IAB TCF 2.0 räumt bei wichtigen Begriffen des Programmatic Advertising auf und verringert so Unsicherheiten.
Belgische Datenschutzbehörde gegen IAB Europe: Ende eines langjährigen Streits?
Mit dem jüngsten Urteil hebt das belgische Marktgericht die zentralen Vorwürfe der belgischen Datenschutzbehörde bezüglich Transparency & Consent Framework (TCF) v2.0 und des TC Strings auf.
Für die Branche bedeutet das Urteil einen wichtigen Meilenstein. Damit gibt es endlich bedeutende Klarstellungen. Beispielsweise, dass der TC-String nur unter gewissen Umständen – die allerdings zumeist vorliegen werden –, ein personenbezogenes Datum ist. Denn es ist gerade diese Unklarheit in den Vorgaben und Auslegungen, die immer wieder Herausforderungen birgt.
– Veronika Streule, Traffective Unternehmensjuristin –
Auch Townsend Feehan, CEO von IAB Europe, ist ‚guter Dinge‘ und meint in der aktuellen Pressemitteilung: „Wir hoffen, dass dies den Zeitpunkt für eine Rückkehr zu einem sinnvollen und konstruktiven Dialog mit den Regulierungsbehörden markiert, der technische und praktische Realitäten berücksichtigt. Nur so können wir gemeinsam praktikable und nützliche Weiterentwicklungen des TCF umsetzen, die sowohl Usern als auch TCF-Teilnehmern zugutekommen.“
Der Hintergrund: Was rechtlich bisher in puncto TCF und TC-String geschah
Über die Geschehnisse rund um den TC-String hatten wir bereits in diesem Blogbeitrag berichtet. Ein kurzer Rückblick: Im Februar 2022 hatte die belgische Datenschutzbehörde das TCF v2.0 in seiner damaligen Form für datenschutzwidrig erklärt. Mit dem im März 2024 vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gefällten Urteil wurde folglich entschieden:
- TC-Strings seien personenbezogene Daten.
- IAB Europe, Publisher und Vendoren seien gemeinsam verantwortlich, auch für die weitere Datenverarbeitung (beispielsweise im Rahmen von personalisierter Werbung).
Das Interactive Advertising Bureau ging in Berufung – und bekam in Teilen Recht.
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Das neueste Urteil zu IAB Europe und TCF im Detail
Das belgische Marktgericht hob das Urteil der belgischen Datenschutzbehörde nun aus verfahrenstechnischen Gründen teilweise auf und stellt klar:
- Der TC-String gilt als personenbezogenes Datum, da dieser in Kombination mit weiteren Informationen wie der IP-Adresse Rückschlüsse auf den Nutzer zulässt.
- IAB Europe sei nicht für die gesamte Verarbeitung durch TCF-Teilnehmer mitverantwortlich.
Eine gemeinsame Verantwortlichkeit sieht das Gericht ausschließlich bei der Erstellung und Nutzung von TC-Strings, jedoch nicht darüber hinaus. Dies entspricht im Übrigen dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 7. März 2024.
Was bedeutet das für Publisher?
- Verteilung der Verantwortung für die Erstellung und Nutzung des TC-Strings: Durch die Einstufung des IAB als weiteren gemeinsamen Verantwortlichen für die Erstellung des TC-Strings, verteilt sich hier die Verantwortung auf mehrere Schultern. Ja nach Vertragsgestaltung kann das auch auf Haftungsseite positive Effekte für den Publisher erzielen.
- TCF-Anpassungen können kurzfristig erfolgen: Die nötigen Modifikationen zur Abbildung der eingeschränkten gemeinsamen Verantwortung bei TC-Strings sind bereits Teil des 2023 eingereichten Maßnahmenplans und können nun schnell umgesetzt werden.
- TCF gewinnt als technischer Standard zur Einholung von User Consent an Stabilität. Dies kommt der gesamten digitalen Werbebranche zugute. Es schafft mehr Rechtssicherheit für den Einsatz von Consent Management Plattformen (CMPs) und sichert eure programmatischen Werbeerlöse.
Unser Fazit: Wichtiges Signal für einen konstruktiven Dialog mit Regulierungsbehörden
Durch das neue Urteil wird das Transparency & Consent Framework nicht nur rechtlich stabiler. Laut IAB Europe soll es praxisnaher werden und so mehr Klarheit in Sachen Datenschutz bringen. Dafür strebt das Interactive Advertising Bureau mehr Austausch mit Datenschutzbehörden an und will das TCF in absehbarer Zeit gezielt anpassen.
Das sind durchaus positive Signale. Es lohnt sich, die künftigen Entwicklungen zu beobachten und euer CMP-Set-up entsprechend anzupassen.
Übrigens: Für unsere Publisher-Partner besteht kein Handlungsbedarf – wir passen unsere Consent Management Plattform entsprechend an, sobald das IAB das nächste Update veröffentlicht hat.
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Titelbild: erstellt mit Midjourney


Franck / Unsplash


